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Werner Boschmann und Harald Wilde in Aktion (Foto: Susewind)
Dahlhausen. Im
historischen alten Bahnhof veranstaltete PRO Dahlhausen die erste Lesung mit den
Ruhrgebiets-Autoren Harald Wilde und Werner Boschmann. Dies gelang mit großem
Erfolg.
Gleich
zu Beginn äußerten sich Wilde und Boschmann positiv über den Bahnhof Dahlhausen,
denn in Bottrop wäre trotz Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt
ausgesprochen hatte, der alte Bahnhof in ihrer Heimatstadt abgerissen worden.
Deshalb seien sie neidisch auf den erhaltenen Bahnhof Dahlhausen und „froh,
Bottrop verlassen zu haben, um wo anders sein zu können“.
Michael Susewind von Pro
Dahlhausen stellte die Autoren vor, die mit ihrer Lesung humorvolle Auszüge von
bekannten Autoren über das Ruhrgebiet boten.
Dazu
gehörte Jürgen von Manger mit seinen Werken „Schwiegermuttermörder“, „Bleibense
Mensch“, „Die Führerschein-Prüfung“ oder der ehemalige stellvertretende
WAZ-Chefredakteur Rainer Bonhorst mit seinen Ausgaben über Dr. Antonia
Cervinski-Querenburg: „Daaf ich Sie noch ma wat lernen?“, „Daaf ich Sie die
Foote küssen?“, „Faust und Gretchen auf Zollverein“. Auch Helmut Spiegels Werk
„Ich schäbiges Frikadellchen“ gehörte mit zur Ruhrgebiets-Poesie.
In wechselnden Rollen boten
Wilde und Boschmann unterhaltsame Einblicke in das Wesen des „Ruhri“. Es war
eine Liebeserklärung an diese einzigartige Region, mit ihrem Charme, Humor und
der unvergleichlichen Sprache, der spontanen Art der direkten Worte, aber auch
mit Mängeln und Misserfolgen positiv umgehen zu können. Also auch ein Beitrag
zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010.
Harald Wilde (im Elektro-Service tätig) und Werner Boschmann (ehemal. Lehrer für
Deutsch und Geschichte) sind befreundet und begannen vor drei Jahren mit ihren
Lesungen und schreiben zusammen Bücher. Pro Jahr werden 40 bis 60 Lesungen,
vorwiegend für ein Stammpublikum, durchgeführt. Obwohl aus Bottrop kommend, fand
dort noch keine Lesung statt. Meist sind diese im Ruhrgebiet (Gelsenkirchen,
Datteln), demnächst in Rheinberg. Auch in Kirchengemeinden und Bibliotheken
finden die Veranstaltungen statt.
So
wunderte es nicht, dass die vorgetragenen Gedichte, Märchen und Erzählungen
eigentlich nur im Ruhrgebiet entstanden sein konnten. Im Märchen „Rotkäppchen“
hatte die Oma die Pflegestufe 2 und der Wolf war ein Stimmenimitator. Beim
„Froschkönig“ lebte der Frosch als „Strahlemann“ in der „Köttelbecke“ Emscher.
Dieses Gedicht konnte nur am Schloss Oberhausen, nahe der Emscher, entstanden
sein. Auch der Klassiker „Faust“ kann nur aus dem Ruhrgebiet stammen, wo
Gretchen auf einer hiesigen Straße von Faust angesprochen wird.
„Die Führerscheinprüfung“
bringt neue Formulierungen von Adolf Tegtmeier hervor, so den §1 der
Straßenverkehrsordnung : „Ich darf Leute nur nach meinen
Umständen
belästigen“. Die Ehre beim „Schwiegermutter-Mörder“ wurde besudelt, als der
Mörder als „Bahnhofs-Penner“ beschimpft wurde. Im Bahnhof Dahlhausen gab es
dagegen nur aufgeschlossene, muntere, freudig gestimmte Besucher, die sich mit
viel Beifall für die humorvolle, spannende, gelungene Lesungs-Premiere
bedankten. Mit der Zugabe von Dr. Antonia Cervinski-Querenburg „Über Störungen
der Nachtruhe“ wurden die zahlreichen Zuhörer entlassen. Gern hätten sie den
nicht störenden, sondern heiteren Lesungen von Wilde und Boschmann ruhig
zugehört.
Die Autoren bedankten sich bei
den Initiatoren und gaben zum Schluss die Empfehlung : „Pflegen sie weiterhin
diesen schönen Bahnhof“.
Text: Gert Hille/WAZ
Fotos: Gert Hille/WAZ, Michael Susewind/PRO Dahlhausen
Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.
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