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Bahnhof Dahlhausen

 

Einblicke in das Wesen des "Ruhri"

am 27. März 2010
mit den Autoren "Boschmann & Wilde"

 





Werner Boschmann und Harald Wilde in Aktion (Foto: Susewind)

 

Dahlhausen. Im historischen alten Bahnhof veranstaltete PRO Dahlhausen die erste Lesung mit den Ruhrgebiets-Autoren Harald Wilde und Werner Boschmann. Dies gelang mit großem Erfolg.

Foto: Gert Hille/WAZGleich zu Beginn äußerten sich Wilde und Boschmann positiv über den Bahnhof Dahlhausen, denn in Bottrop wäre trotz Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt ausgesprochen hatte, der alte Bahnhof in ihrer Heimatstadt abgerissen worden. Deshalb seien sie neidisch auf den erhaltenen Bahnhof Dahlhausen und „froh, Bottrop verlassen zu haben, um wo anders sein zu können“.

Michael Susewind von Pro Dahlhausen stellte die Autoren vor, die mit ihrer Lesung humorvolle Auszüge von bekannten Autoren über das Ruhrgebiet boten. Dazu gehörte Jürgen von Manger mit seinen Werken „Schwiegermuttermörder“, „Bleibense Mensch“, „Die Führerschein-Prüfung“ oder der ehemalige stellvertretende WAZ-Chefredakteur Rainer Bonhorst mit seinen Ausgaben über Dr. Antonia Cervinski-Querenburg: „Daaf ich Sie noch ma wat lernen?“, „Daaf ich Sie die Foote küssen?“, „Faust und Gretchen auf Zollverein“. Auch Helmut Spiegels Werk „Ich schäbiges Frikadellchen“ gehörte mit zur Ruhrgebiets-Poesie.

In wechselnden Rollen boten Wilde und Boschmann unterhaltsame Einblicke in das Wesen des „Ruhri“. Es war eine Liebeserklärung an diese einzigartige Region, mit ihrem Charme, Humor und der unvergleichlichen Sprache, der spontanen Art der direkten Worte, aber auch mit Mängeln und Misserfolgen positiv umgehen zu können. Also auch ein Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010.

 

Harald Wilde (im Elektro-Service tätig) und Werner Boschmann (ehemal. Lehrer für Deutsch und Geschichte) sind befreundet und begannen vor drei Jahren mit ihren Lesungen und schreiben zusammen Bücher. Pro Jahr werden 40 bis 60 Lesungen, vorwiegend für ein Stammpublikum, durchgeführt. Obwohl aus Bottrop kommend, fand dort noch keine Lesung statt. Meist sind diese im Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Datteln), demnächst in Rheinberg. Auch in Kirchengemeinden und Bibliotheken finden die Veranstaltungen statt.

 

So wunderte es nicht, dass die vorgetragenen Gedichte, Märchen und Erzählungen eigentlich nur im Ruhrgebiet entstanden sein konnten. Im Märchen „Rotkäppchen“ hatte die Oma die Pflegestufe 2 und der Wolf war ein Stimmenimitator. Beim „Froschkönig“ lebte der Frosch als „Strahlemann“ in der „Köttelbecke“ Emscher. Dieses Gedicht konnte nur am Schloss Oberhausen, nahe der Emscher, entstanden sein. Auch der Klassiker „Faust“ kann nur aus dem Ruhrgebiet stammen, wo Gretchen auf einer hiesigen Straße von Faust angesprochen wird.

„Die Führerscheinprüfung“ bringt neue Formulierungen von Adolf Tegtmeier hervor, so den §1 der Straßenverkehrsordnung : „Ich darf Leute nur nach meinen Umständen belästigen“. Die Ehre beim „Schwiegermutter-Mörder“ wurde besudelt, als der Mörder als „Bahnhofs-Penner“ beschimpft wurde. Im Bahnhof Dahlhausen gab es dagegen nur aufgeschlossene, muntere, freudig gestimmte Besucher, die sich mit viel Beifall für die humorvolle, spannende, gelungene Lesungs-Premiere bedankten. Mit der Zugabe von Dr. Antonia Cervinski-Querenburg „Über Störungen der Nachtruhe“ wurden die zahlreichen Zuhörer entlassen. Gern hätten sie den nicht störenden, sondern heiteren Lesungen von Wilde und Boschmann ruhig zugehört.

Die Autoren bedankten sich bei den Initiatoren und gaben zum Schluss die Empfehlung : „Pflegen sie weiterhin diesen schönen Bahnhof“.

Text: Gert Hille/WAZ
Fotos: Gert Hille/WAZ, Michael Susewind/PRO Dahlhausen

Mit freundlicher Genehmigung der WAZ-Stadtteilredaktion Bochum.

 

 

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